Atelier Aufführungspraxis (18./19. Jahrhundert) 

Vom Luxus zur Dekadenz
1. „Le goût du luxe“ - Die Erfindung des Luxus unter Louis XIV

Angebot für

Nummer und TypMPE-VIV-SKT-IP06.21H.001 / Moduldurchführung
VeranstalterDepartement Musik
LeitungMichael Biehl
Minuten pro Woche60
ECTS2 Credits
LehrformOrchester, Kammermusikunterricht, Vorträge, Konzerte
ZielgruppenFür Studierende des MA in Music Performance ist der Besuch von zwei Ateliers (freie Wahl) im Verlauf des Studiums obligatorisch (betrifft Studierende ab Studienbeginn HS 2010). Alle weiteren interessierten Studierenden sind herzlich willkommen.
Lernziele / KompetenzenGrundkenntnisse historischer Aufführungspraxis und eines historischen Musikverständnisses am Beispiel klassischer und frühromantischer Musik.
InhalteLuxus ist eine scheinbare Normalität in der modernen Welt. In Zeiten von Corona wird einem aber mitunter auch sehr schnell bewusst, wie wenig selbstverständlich und zerbrechlich diese Normalität sein kann. Aber kann auf Luxus eigentlich ohne weiteres auch verzichtet werden? Natürlich stellt sich dann sofort auch die Frage, über welche Art von Luxus man eigentlich spricht. Und weitergedacht: was ist eigentlich Luxus?
Dass Luxus keinesfalls etwas Normales ist, zeigt schon die Tatsache, dass der Luxus zunächst einmal erfunden werden musste. Und der Erfinder des Luxus kann eindeutig benannt werden: Louis XIV! Natürlich wusste man auch vorher schon was luxuriöse Dinge waren, aber es war der König des anbrechenden „grand siècle“, der den Luxus zu einem internationalen Markt machte, Funktion und Intention des neuen Objekts der Begierde in ganz Europa definierte und Frankreich letztlich damit das „siècle d’or“ schenkte. Wie weitreichend und prägend diese Erfindung war, zeigt sich auch darin, dass Frankreich 400 Jahre später immer noch der führende Vertreiber von Luxusartikeln ist!
Dass dieses System des Luxus äusserst umfassend und systematisch angelegt war, sehen wir auch in der rasanten Entwicklung der Künste - aller Künste! Allerortens blühen die neuen Manufakturen und Akademien. Versailles braucht alle Künste auf modernem, neuem und vor allem bestem Niveau. Nur so lässt sich eine internationale Begierde nach französischem Luxus wecken.
Auch die Musik gehört selbstverständlich in dieses Programm. So modern, aussergewöhnlich und extravagant wird die Musik unter der Regentschaft Louis XIV, dass bald ganz Europa diese Klänge sucht und französische Musiker nicht nur die gesuchtesten, sondern auch die bestbezahlten der damaligen Zeit sind. Und Frankreich behauptet auch in diesem Fall eine Vormachtstellung, die weit über das 17.Jahrhundert hinausgeht.
Dass Musik ein extremer -und extrem fragiler- Luxus ist, wird einem in Zeiten von Corona nur allzu deutlich vor Augen geführt! Im Atelier werden wir uns mit den Besonderheiten dieses Luxusguts „ a la francaise“ und seinen Auswirkungen auf Europa in theoretischer und praktischer Form auseinandersetzen. Und natürlich die Frage stellen, ob der Luxus Musik verzichtbar sein kann.

Als praxisorientierte Ergänzung zum Kurs Aufführungspraxis wird jedes Semester ein Atelier veranstaltet. Die Themen dieser Ateliers wechseln semesterweise und beziehen sich jeweils auf ein spezifisch aufführungspraktisches Thema der Musik des 18. und 19. Jahrhunderts.
Leistungsnachweis / TestatanforderungOrchester, Kammermusikunterricht in verschiedenen Formationen. Besuch von Vorträgen, Konzerten und anderen Zusatzveranstaltungen nach separater Ankündigung zu Semesterbeginn. Teilnahme an 80% des Kurses.
Termine8.-11.11.2021, der genaue Stundenplan wird zu Semesterbeginn bekanntgegeben
Bewertungsformbestanden / nicht bestanden
Bemerkung1110
Termine (7)