Seminar 4: Ambivalenz der Kreativität II (gLV)

Creative Cities und ‘ihre’ prekären Künstler*innen

Wird auch angeboten für

Nummer und TypMTR-MTR-1002.21H.004 / Moduldurchführung
VeranstalterDepartement Kulturanalysen und Vermittlung
LeitungAntoine Chessex, Soenke Gau
ZeitFr 24. September 2021 bis Fr 29. Oktober 2021 / 9:15–12:30 Uhr
OrtZT 4.T09 Seminarraum TL (28P / *14P) Toni-Areal, Seminarraum ZT 4.T09, Pfingstweidstrasse 96, 8005 Zürich
Anzahl Teilnehmende4 - 25
ECTS2 Credits
LehrformSeminar mit Lektüre, Referaten und Diskussionen
ZielgruppenWahlpflicht für Studierende MA Transdisziplinarität.

Geöffnete Lehrveranstaltung für Studierende anderer Studiengänge der ZHdK. Einschreibung über ClickEnroll https://intern.zhdk.ch/?clickenroll
InhalteKreativität wird gleichermassen in ökonomischen wie kulturellen Feldern zu einem, wenn nicht zu dem «Heilswort der Gegenwart» (Bröckling 2007, 152). Im post-fordistischen Kontext der immateriellen Arbeit haben sich neue Formen von Subjektivierung entwickelt: Die Anrufung vom Kreativitätsimperativ produziert ein gesellschaftliches Verhältnis, welches das Selbstunternehmertum der Kunst- und Kulturschaffenden fordert und die so genannte kreative Arbeit auf die Produktion einer ästhetisierten Ware ausrichtet. Kreative Arbeit entfaltet sich oft im Einklang mit der algorithmischen Governementalität (vgl. Rouvroy/Berns 2013) und findet in einem umfassend ökonomisierten Kontext statt. Die Mutationen des digitalen Kapitalismus haben nicht nur die Verhältnisse zwischen Produktion und Konsum transformiert, sondern auch die Entwicklung der kreativen Städte und des urbanen Umfelds stark beeinflusst und umgestaltet. Als Creative Cities werden komplexe Strukturen geschaffen, in denen Datenfluss, Kontrolle, Regulierung und Überwachung für die Organisation von (kreativer) Arbeit und das Kapital eine zentrale Rolle spielen. Diese Transformationen haben drastische Konsequenzen für den Kontext, in dem Künstler*innen ihre Praktiken entwickeln und werfen auch die Frage auf, unter welchen Bedingungen professionelle Künstler*innen heutzutage arbeiten sollen. «Seid Subjekte der Kommunikation!» (Lazzarato 1998, 43) lautet der Imperativ des New-Managements, während sich Creative Cities als Standard profilieren, bei welchem die Privatheit oft Gated Communities bedeutet und Öffentlichkeit als ein perfekt glatter Raum in Erscheinung tritt. In diesem Kontext ist das gegenwärtige Kunstfeld ein heterogenes Spannungsfeld geworden, in dem kulturelle Infrastrukturen, Institutionen, private Unternehmen und Akteur*innen auf eine komplexe Art und Weise miteinander verwoben und den Machtverhältnissen und Subjektivierungsmechanismen ausgesetzt agieren.

Im Seminar werden Räume für die Auseinandersetzung mit der Frage kreiert, wie in Creative Cities Kontexte an der Schnittstelle von Digitalität, Überwachung, Kontrolle und Ökonomisierung für das Leben und Arbeiten kreativer Subjekte geschaffen werden und wie die Idee der Kreativität diese Entwicklungen rahmt und rechtfertigt. Die Hypothese lautet, dass das Versprechen von Kreativsein für Künstler*innen zu Beginn des 21. Jahrhunderts oft durch Gig-Economy und ein prekäres Leben gekennzeichnet wird (vgl. Lorey 2020). Aus dem modernistischen Mythos von dem schöpferischen Künstlergenie ist das kreative Arbeitssubjekt – eine selbstoptimierte, nicht-souveräne und erschöpfte Figur geworden.

Das Seminar schlägt vor, sich mit aktuellen theoretischen Positionen rund um den ambivalenten Begriff der Kreativität auseinanderzusetzen und diese in einer dialogischen kulturanalytischen Vorgehensweise in Resonanz mit künstlerischen Praktiken zu bringen. Zudem werden gegenwärtige Diskurse und Mythen zur Kreativität analysiert, diskutiert und dekonstruiert, mit dem Ziel nach möglichen Fluchtlinien oder gegen-hegemonialen Strategien gemeinsam zu suchen.
Leistungsnachweis / TestatanforderungAktive Mitarbeit; 80% Anwesenheit; Bereitschaft, ein Referat zu übernehmen.
TermineFreitagvormittag: 24.9. / 1.10. / 8.10 / 15.10. / 22.10. / 29.10. / jeweils 09:15 - 12:30 Uhr
Dauer6 Halbtage im 1. Quartal
Bewertungsformbestanden / nicht bestanden
BemerkungUnterrichtssprache ist Deutsch.
The seminar will be held in German.
Termine (6)