Fadenspiele (gLV)

Ein Forschungsspiel zwischen Kunst und Wissenschaft

Wird auch angeboten für

Nummer und TypMTR-MTR-2022.21F.001 / Moduldurchführung
VeranstalterDepartement Kulturanalysen und Vermittlung
LeitungSarine Waltenspül und Mario Schulze
Anzahl Teilnehmendemaximal 16
ECTS2 Credits
VoraussetzungenStudierende MA Transdisziplinarität und Masterstudierende aller Fachrichtungen.

Voraussetzung für eine Teilnahme ist die Bereitschaft, sich aktiv an den Forschungsfragen der "Fadenspiele" zu beteiligen und/oder aus den damit verbundenen Themenfeldern ein eigenes Vorhaben zu entwickeln.
LehrformIn den Präsenzsitzungen der künstlerisch-wissenschaftlichen Forschungsgruppe sind gemeinsame Lektüren und Diskussionen relevanter künstlerischer Arbeiten vorgesehen. In Einzel- resp. Gruppenarbeit nähern wir uns den Themenkomplexen an, die die Fadenspiele tangieren.
ZielgruppenWahlpflicht für Studierende MA Transdisziplinarität
Geöffnete Lehrveranstaltung für alle Master-Studierenden der ZHdK

Interessierte Studierende setzen sich bitte bis 19. Februar mit den leitenden Dozierenden in Verbindung: mario.schulze@zhdk.ch, sarine.waltenspuel@zhdk.ch
Lernziele / KompetenzenEntwicklung eines im Rahmen des Semesters umsetzbaren theoretischen oder praktischen Forschungsvorhabens zum Themenkomplex der Fadenspiele und Ausformulierung eines Abstracts (inkl. relevanter Referenzen).
InhalteFadenspiele gehören zu den ältesten Spielen der Menschheit und galten in der Ethnologie lange Zeit als Universalspiel. Als Spiel, das an so vielen Orten dieser Welt gespielt wird, das aber in seinen lokalen Ausprägungen doch niemals dasselbe Spiel ist, speiste es die epistemologischen Phantasien eines universalen Kulturvergleichs durch das 20. Jahrhundert hindurch. Gerade in den letzten Jahren haben die Fadenspiele über die Ethnologie hinaus an Bekanntheit gewonnen. Donna Haraway propagiert string figures als eine Methode des Denkens und der Kollaboration sowohl zwischen den Disziplinen als auch den Spezies.
Die Lehrveranstaltung gibt einen inhaltlichen und methodischen Einblick in ein Forschungsprojekt der Dozierenden. Dieses befindet sich in einem frühen Stadium und aus ihm sollen letztlich eine Ausstellung sowie eventuell ein Audiowalk und ein Essayfilm hervorgehen. Verschiedene Kooperationspartner*innen sind in dieses Vorhaben involviert, wie die Theratermacherin Ute Sengebusch, der Filmemacher Christoph Oeschger oder das Tieranatomische Theater Berlin. Als Ausgangspunkt des gesamten Forschungsvorhabens dienen Filme von Fadenspielen aus der Encyclopedia Cinematographica, kurz EC, einem singulärem Großprojekt filmischer Forschung. Das Ziel der EC war, jene Bewegungsvorgänge auf Zelluloid festzuhalten, die für das menschliche Auge unsichtbar oder vom Verschwinden bedroht sind oder die mit anderen Vorgängen verglichen werden sollen: Tier- und Pflanzenarten, Materialien, Kulturtechniken, Handwerk oder Rituale. Die Fadenspiel-Filme zeigen spielende Menschen auf den Gilbert and Ellice Islands (damals britische Kolonie heute Kiribati), auf dem Solar-Alor-Archipel (damals Niederlande heute Indonesien) oder auf dem Dach des Naturhistorischen Museums in Basel (damals und heute Schweiz). In dem Forschungsprojekt soll ein Fadenspiel zwischen der Geschichte der Ethnologie, dem kolonialen Erbe von Filmarchiven und den Möglichkeiten transdisziplinären Zusammenarbeitens entworfen werden.
Gemeinsame Lektüren, Diskussionen künstlerischer Arbeiten und Überlegungen zu den künstlerisch-wissenschaftlichen Forschungsformaten Essayfilm, Ausstellung und Audiowalk dienen dazu, die Arbeitsvorhaben der Teilnehmenden gemeinsam festzulegen. Denkbar wäre dabei je nach Kompetenz die konkrete Beteiligung an den Forschungsvorhaben/Projekten (Audio-Guide/Vorarbeiten Essayfilm) oder das Andenken und Aufreissen eines eigenen kleinen Projekts (theoretisch/praktisch) zum Themenkomplex der Fadenspiele oder der angedachten Formate (wie Fadenspiele in Kunst und Wissenschaft, Methoden des transdisziplinären Zusammenarbeitens, die Encyclopaedia Cinematographica/das Institut für den wissenschaftlichen Film, das Filmarchiv resp. die Dekolonialisierung von Filmarchiven, Essayfilme und forschende Ausstellungen als Formate, etc.).
Bibliographie / LiteraturCaroline Furness Jayne (1906), String Figures and How to Make Them. New York: Charles Scribner's Sons.
Donna Haraway (1994), “A game of cat’s cradle: science studies, feminist theory, cultural studies”, Configurations 2 (1), 59–71.
Brigitta Kuster, Britta Lange, Petra Löffler (2019): “Archive der Zukunft? Ein Gespräch über Sammlungspolitiken, koloniale Archive und die Dekolonisierung des Wissens” In Zeitschrift für Medienwissenschaft 11 (1), 96–111. DOI: https://doi.org/10.25969/mediarep/3726.
Laura Rascaroli (2017): How the essay film thinks. New York, NY: Oxford University Press.
Unlearning Flow (2019, Christoph Oeschger, Mario Schulze, Sarine Waltenspül), Essayfilm
Emanuel Haab, https://blog.trans.zhdk.ch/boundarywork/string-figures-speculative-fabulation/, Boundary Work (Glossary of transdisciplinary methods)
Leistungsnachweis / Testatanforderung80% Anwesenheit, aktive Mitarbeit an Forschungsvorhaben oder Entwicklung eines eigenen Projekts
TermineVoraussichtlich Dienstagnachmittag. Genaue Termine werden nach Semesterbeginn bekannt gegeben (nach Absprache mit den Teilnehmenden).
Dauer4 Nachmittagsveranstaltungen sowie eine Exkursion (wenn möglich) im Semester
Bewertungsformbestanden / nicht bestanden