LOC / Workshop 1.2: SHAPING AND SHAPED BY PRACTICE(S) (gLV)

Praxisfeld SC: Wahlpflicht
Praxisfeld RE, BN, DR, TP: Wahlmodul

Wird auch angeboten für

Nummer und TypMTH-MTH-PM-02.21F.008 / Moduldurchführung
VeranstalterDepartement Darstellende Künste und Film
LeitungLucie Tuma
Anzahl Teilnehmende4 - 12
ECTS2 Credits
VoraussetzungenZulassung MA Theater
ZielgruppenMA SC / RE, BN, DR, TP (Wahl) / Partnerschulen

Für Studierende aus anderen Studiengängen der ZHdK:
Anmeldung und Anfragen bezüglich Platzzahl an > Caroline Scherr / caroline.scherr@zhdk.ch
Bitte unbedingt Vorname, Nachname, Semester und Hauptstudiengang angeben.
Lernziele / KompetenzenDie Studierenden werden mit der Begriffsgeschichte von «Praxis – Technik – Format» vertraut gemacht und lernen zeitgenössische Diskurse zur Reflexion von Arbeitsprozessen, Arbeitsbedingungen und Institutionskritik in den Darstellenden Künsten und darüber hinaus kennen. Sie lernen Beispiele aus dem Gegenwartstheater, dem zeitgenössischen Tanz und der Performance, mit einem kleinen Exkurs in Positionen der feministischen Performancekunst der 70er Jahre. Das gemeinsame Lesen und die Reflexion von Texten sowie Beispielen wird kombiniert mit somatischer Praxis sowie der Entwicklung eigener Positionen durch Übungen und praktische Aufgaben (individuell oder in Gruppen). Die Studierenden werden ermutigt, ihre eigenen Praxen zu finden, zu entwickeln oder allenfalls zu vertiefen.
InhalteDieser zweiwöchige Workshop beginnt mit einer Konversation rund um den Ausdruck “eine Praxis zu haben.” Im Laufe der letzten Dekade wurde der Begriff der Praxen von vielen Akteur*innen der (Darstellenden) Künste und darüber hinaus aufgegriffen. Was genau hat es damit auf sich? Wie wird etwas zu “einer Praxis»? Worin unterscheiden sich Praxen von Übungen, regulärem Training, von Arbeitsprozessen allgemein oder auch davon, einfach etwas zu tun, zusammen oder alleine? Das Versprechen einer anderen Art der Wirksamkeit scheint im Kern dessen zu liegen, ein und denselben Begriff für multiple und oft stark voneinander unterschiedliche Aktivitäten zu benutzen.
Zwei weitere Begriffe werden Einzug in unsere Diskussion halten, um folgendes Dreieck zu bilden: Technik, Praxis und Format. Diese drei Schlüsselwörter initiieren eine Reflexion rund um scheinbar unverrückbare Selbstverständlichkeiten, Erwartungen und Vorannahmen im Zusammenhang mit künstlerischen Prozessen. Woraus speist sich die Initialzündung, die einer neuen Arbeit zugrunde liegt, wie geht etwas weiter und entwickelt sich, wie entsteht möglicherweise kontinuierliche Forschung? Wir werden die oftmals komplizierte und deswegen umso notwendigere Debatte angehen, die entsteht wenn etwa folgende Berieche gegeneinander abgewogen werden: Handwerk & Werkzeug – Autorschaft & Autonomie – Sozialität und Zuschauerschaft.
Wir werden institutionelle und individuelle Vorurteile im Zusammenhang mit Schaffensprozessen ins Auge fassen. Dies führt zur Grundsatzfrage einer persönlichen Praxis zurück. Wie könnte so etwas definiert werden und, vielleicht noch wichtiger, wo und wann wird Zeit dafür sein, eine Praxis zu entwickeln, diese kontinuierlich zu verfolgen und zu vertiefen - zu praktizieren? Beispiele von einzelnen Positionen sowohl Praxis-basierter Prozesse als auch Praxis-basierter Forschung fliessen mit in die Diskussionen ein. Wir werden die Etymologie und die Anfänge dessen anschauen, was “Praxis” im antiken Griechenland bedeutete und werden eine Handvoll zeitgenössischer Texte rund um die Popularität des Begriffs lesen.
Die Studierenden sind eingeladen, sich im Vorfeld mit der Frage einer persönlichen Praxis zu beschäftigen und zu reflektieren, wie das bei ihnen selbst aussieht. Was passiert rund um eine Produktion herum, was machst du kurz bevor du auf die Bühne gehst, wie kehrst du immer wieder in Studio, auf die Probebühne oder in weitere Bereiche des kreativen Prozesses zurück? Gibt es Aktivitäten in deinem Leben zu denen du immer wieder zurückkehrst – sind diese nah an Arbeitsprozessen dran oder spielen sie sich weiter entfernt ab, möglicherweise in einer komplett anderen Sphäre oder einfach ein wenig aus dem Fokus heraus? Wir werden diese etwas genauer betrachten und sie, für einmal, ins Zentrum der Bühne stellen.

This two week workshop starts from a conversation around the notion of “having a practice”. Over the last decade, this term has been picked up by many makers and practitioners within the field of the (performing) arts and beyond. What exactly is it that makes something “a practice”? How do practices differ from an exercise, regular training, working processes in general or just doing stuff – alone or together?
The promise of another kind of agency seems to lie at the core of using one and the same keyword for multiple and often highly differing activities. Two other umbrella terms will enter our discussion in order to build following triangle: technique, practice and format. These three keywords spark off a reflection around the so-called givens and the expectations linked to artistic processes. What lies at the base of initiating new work, how does something continue and develop, possibly as ongoing research? We will tackle an often complicated yet therefore more so necessary debate around craft & tools - authorship & autonomy - sociality & spectatorship. We will have a closer look at institutional and personal bias’ within the making of processes. Fundamentally, this leads back to question of personal practices. How could one define such a thing and, maybe more importantly, where and when will there be time for the shaping of a practice and later on, for practicing it? Many examples of practices and practice-based processes as well as practice-based research will enter our discussion. We will look at the origins of what “Praxis” meant in old Greece and will read a handful of contemporary texts analyzing the popularity of the “practice” term. Students are encouraged to engage beforehand in a reflection of what their own personal practice might be. What is it happens around the production, what goes on just before you go on stage, how do you keep entering the studio or any other area inside a creative process? Are there are any activities in your life you keep returning to - closely linked to labour and working processes or maybe altogether in another realm, somewhat out of focus? We will be happy to have a closer look at those and put them center stage, for once.
Bibliographie / LiteraturBojana Kunst: "Art and Labour: On consumption, laziness and less work" in; Performance Research: A Journal of the Performing Arts, London Routledge, 2013

David Joselit: After Art. Princeton University Press 2013

Isabelle Stengers: An Ecology of Practices. Introduction Notes. ANU Humanities Research Centre Symposium, 2003
Paolo Virno: A Grammar of the Multitude. Semiotexte, 2004

Kathi Weeks: "Down with Love: Feminist Critique and the New Ideologies of Work" in WSQ: Precarious Work, vol. 45, no. 3&4, 2017. Reprinted with permission
TermineKW 11/12 (15.-26.03.2021)
DauerMo-Fr 11.00h - 13.00h & 13.30h - 15.30h (ausser dienstags)
Bewertungsformbestanden / nicht bestanden
SpracheDeutsch
BemerkungLucie Tuma ist in Zürich geboren und hat in Prag (CZ), Montpellier (F) und Giessen (D) Tanz, Choreografie und Angewandte Theaterwissenschaft studiert. Ihre Arbeiten kreisen um die Produktion von Tanz als zeit-basierter Skulptur in Zeiten, denen es an Zeit mangelt. Dabei entstehen so unterschiedliche Dinge wie megaloman angelegte Tanzperformances von mehreren Stunden Dauer, kurze Tänze für kleine Gruppen von Zuschauer*innen, Audiowalks, Musikalben und Bücher. Sie engagiert sich für verschiedene Formate der Wissensgenerierung, etwa Seminare, Séancen, Workshops, Gesprächsreihen, Symposien und Salons - innerhalb und ausserhalb akademischer Institutionen. 2008 gründete sie zusammen mit Cecilie Ullerup Schmidt das Duo Chuck Morris als Auflösung einer individuellen Identität der Künstlerin und als Langzeitbeziehung auf die Dauer von 50 Jahren angelegt. 2017 tauchte ihr feministisches Science Fiction Alter Ego Amber Tardis auf und begleitet sie seither. 2015-2017 war sie bei Tanzhaus Zürich YAA! - Young Associated Artist, 2014 wurde ihr der jährliche Kulturpreis der Stadt Zürich für Choreografie und Performance verliehen, 2019 war sie Atelierstipendiatin des Kantons Zürich in Berlin. Zur Zeit bereitet sie sich für ihr Vorhaben „labour of mourning“ im Rahmen eines ProHelvetia Stipendiums in China 2020 vor. Ihre Arbeiten wurden in Deutschland, Dänemark, Schweden, Frankreich, Österreich, Hong Kong, Japan, Korea, Russland und in der Schweiz gezeigt. Seit 2010 lebt sie wieder in Zürich.
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