LAB 4: Ethnographieren (gLV)

Wird auch angeboten für

Nummer und TypMTR-MTR-1040.21F.004 / Moduldurchführung
VeranstalterDepartement Kulturanalysen und Vermittlung
LeitungSoenke Gau, Jana Thierfelder, Irene Vögeli
ZeitDo 25. Februar 2021 bis Do 3. Juni 2021 / 13:30–16:45 Uhr
OrtAtelier Transdisziplinarität ZT 7.F03 (*14P) Toni-Areal, Atelier Transdisziplinarität ZT 7.F03, Pfingstweidstrasse 96, 8005 Zürich
Anzahl Teilnehmende4 - 17
ECTS2 Credits
VoraussetzungenStudium MA Transdisziplinarität

Für Studierende anderer Studiengänge der ZHdK im Rahmen der geöffneten Lehrveranstaltungen: Einschreibung über ClickEnroll
https://intern.zhdk.ch/?clickenroll
LehrformWorkshop mit Praxis- und Lektüreanteilen
ZielgruppenWahlpflicht für Studierende MA Transdisziplinarität.
Geöffnete Lehrveranstaltung für alle Master-Studierenden der ZHdK.
InhalteEthnographie ist eine empirische Methode der Welterschliessung. Sie kommt in den Sozialwissenschaften, aber auch in den Künsten vor. Durch Ethnographieren werden spezifische, andernfalls häufig kaum wahrgenommene gesellschaftliche Praktiken beobachtet, beschrieben und einer Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Ethnographieren heisst längst nicht mehr nur Ethnologie zu betreiben, indem ein fremdes «Volk» (éthnos) «aufgezeichnet» (graphé) wird. Spätestens seit den 30er Jahren, mit der Gründung der Chicago School, hat sich die Bedeutung der Ethnographie gewandelt: In der Erforschung «fremder» Kulturen wurde die Gefahr erkannt, diese zu exotisieren und ein «Othering» zu betreiben. Das Erkenntnisinteresse richtete sich in der Folge vermehrt darauf, das «Fremde» im «Eigenen» und «Unmittelbaren» der Alltagskultur zu finden. Seit den 80er Jahren wurde das Feld der Ethnographie erneut ausgedehnt und nicht mehr nur zur Analyse sozialer, zwischenmenschlicher Phänomene eingesetzt, sondern ebenso zur Untersuchung materiell-technisch verfasster Umwelten und Objekte. Statt das menschliche Subjekt zum Zentrum der ethnographischen Auseinandersetzung zu machen, wurden nun Materialien und Objekte sowie die Verflechtungen zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Akteur*innen zum Untersuchungsgegenstand. Darüber hinaus widmet sich die Ethnographie seit den frühen 2000er Jahren auch dem Ephemeren, indem sie im Rahmen von Sensory Ethnography die Sinne verstärkt zum Gegenstand ihrer Erkundungen macht.

Neben dieser Ausweitung des Untersuchungsfeldes und einem «reflexive turn», der den Objektivitätsanspruch der Methode kritisch befragt und auf deren fiktive Anteile hinweist, lässt sich auch die wechselseitige Annäherung von Ethnographie und Künsten beobachten: Während die Kulturanthropologie als Antwort auf die Krise der ethnografischen Repräsentation die Kunst als Sehnsuchts- und Möglichkeitsraum erkundet, spricht man im künstlerischen Bereich seit den 1980er-Jahren von einem "Ethnographic Turn". Das wachsende Interesse an ethnografischen Themen und Methoden geht einher mit einer kunsttheoretischen Diskussion über die Macht des Blickens und Zeigens.

Im Lab wollen wir uns mit dem Ethnographieren auf zwei Weisen auseinandersetzten: Einerseits werden Close Readings und Lesegruppen angeboten, anhand derer eine Auseinandersetzung mit den Diskursen und den Methoden der Ethnographie ermöglicht werden soll. Andererseits sollen diese anhand von praktischen Übungen bzw. eigenen Arbeitsvorhaben erprobt und ihre künstlerischen Potenziale erkundet werden. 
Bibliographie / LiteraturEine Textsammlung zum Thema wird zu Beginn des Labs vorgestellt.
Leistungsnachweis / Testatanforderung80% Anwesenheit, aktive Mitarbeit
Termine14-täglich Donnerstagnachmittag 25.2. / 11.3. / 25.3. / 8.4. / 29.4. / 20.5. / 3.6. jeweils 13.30 bis 16.45 h 
Dauer7 Halbtage während des Semesters.
Bewertungsformbestanden / nicht bestanden
BemerkungDas Lab findet in Deutsch und Englisch statt.
The Lab will be held in German and English.
Termine (7)