DIG / Theorie-Seminar "Möglichkeitsraum Theater: Handeln" 

Praxisfeld SC: Theorie
Nummer und TypMTH-MTH-PM-02.20H.019 / Moduldurchführung
VeranstalterDepartement Darstellende Künste und Film
LeitungHayat Erdogan
OrtTheater Neumarkt, Zürich
Anzahl Teilnehmende4 - 16
ECTS2 Credits
VoraussetzungenZulassung MA SC
ZielgruppenMA SC
Lernziele / KompetenzenIn diesem Seminar werden wir den Begriff der Handlung, des Handelns aus der Theaterperspektive herauslösen und in den Horizont eines politischen und ethischen Begriffs des Handelns stellen. Damit soll der Möglichkeitsraum Theater bzw. Theater als Möglichkeitsraum mit seinen eigenen Mitteln und als eine eigentümliche Praxis in einem erweiterten Sinne als politischer Raum gedacht werden, in dem die Grenzen der Bühne ausgedehnt werden würden, um die Idee einer ästhetischen Gemeinschaft aus dem Geiste des Politischen weiterzuentwickeln, indem hier Handeln, Freiheit, Gleichheit ins Verhältnis zu setzen und neu zu verhandeln wären.
InhalteMöglichkeitsraum Theater: Handeln

Der Streit, der scheinbare, ist der: Da ist Kunst, die sich als politisch versteht und da
ist Kunst, die sich als Selbstzweck versteht und sich in Ideen ästhetischer Werte
einlässt. Ein vermeintlicher Streit um die Opposition zwischen Heteronomie
und/versus Autonomie der Kunst. Beide Konzeptionen sind eher schwach in Bezug
auf die Frage, was es bedeutet, die sogenannte Welt zu verändern, auf sie
einzuwirken.
Man könnte sogar sagen, dass eine als autonom verstandene Kunst, die keinerlei
Absichten hat, die Welt zu verändern, den Machtsystemen und Strukturen genauso
dient wie den Mächtigen; das heisst, dass sie machtvoll verstrickt und nicht
unschuldig, also nicht neutral ist. Daraus folgt: Es kann keine neutrale, apolitische, autonome Kunst-Praxis geben.
Da es also keine Neutralität geben kann, müsste jede unserer künstlerischen Handlungen
Machtsysteme und dominante Sichtweisen in Frage stellen. Müssten wir uns daher
vor jedem Projekt, das wir machen, vor jedem künstlerischen Werk, das wir in die
Welt setzen, fragen: Ist das, was ich zu tun vorhabe, Teil von Zeitvertreib,
Ablenkung, Unterhaltung, Komplizenschaft? Oder wird es/könnte es irgendetwas,
irgendwo für irgendjemanden in der Welt und für die Welt verändern?
Wenn es also stimmt, dass es keine Neutralität der Kunst, jeder künstlerischen
Handlung gegenüber und in der Welt geben kann, dann stellen sich weiter folgende
Fragen: Was bedeutet es etwas zu tun, wenn wir Kunst produzieren? Was bedeutet es, zu
handeln? Unter welchen Bedingungen, kann das, was wir tun, eine Bedeutung haben, eine politische und ethische Handlung sein, die irgendwo in der Welt irgendetwas für irgendjemanden zum Besseren hin verändert?
Bibliographie / Literaturnach Ansage
TermineKW42/44/46/48/50 jeweils donnerstags
Dauer11h - 13h
Bewertungsformbestanden / nicht bestanden
SpracheDeutsch
BemerkungHayat Erdoğan studierte Germanistik und Anglistik (M.A.) an der Universität Stuttgart und Dramaturgie (MA) an der Akademie für Darstellende Kunst in Ludwigsburg. Sie arbeitete als Übersetzerin, Dolmetscherin und Dramaturgin, war Forschungsstipendiatin der James-Joyce-Foundation in Zürich und in Triest, Mitarbeiterin im International Institute of Political Murder - IIPM, wissenschaftliche Mitarbeiterin im SNF-Forschungsprojekt "Das Spiel mit den Gefühlen" und im Master of Arts in Theater.
2014 bis 2018 war sie Kommissionsmitglied in der Theaterförderung Stadt Zürich.
Von 2014 - 2016 Leitung des künstlerischen Stadtforschungsprojekts "Polytropos - Dada on Tour" im Rahmen von Connecting Spaces Hong Kong/Zurich.
Seit 2015 ist sie PhD Researcherin an der Kunstuniversität Linz bei Prof. Dr. Robert Pfaller und Dozentin für Theorie und Dramaturgie im Studiengang Master of Arts in Theater, ZHdK.
Zusammen mit Julia Reichert und Tine Milz übernimmt sie ab der Spielzeit 2018/19 die Leitung des Theaters Neumarkt.
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