DIG / BRAIN ATTACK 3 

Blockstruktur: 1 / 2
Nummer und TypBTH-VBN-L-0011.20H.001 / Moduldurchführung
VeranstalterDepartement Darstellende Künste und Film
LeitungSteffen Hägele, Céline Bessire, Matthias Winter
Anzahl Teilnehmende5 - 14
ECTS2 Credits
LehrformSeminar / Workshop
ZielgruppenL2 VBN
Lernziele / KompetenzenDas Seminar regt zu einer produktiven Auseinandersetzung mit «Raum» im weitesten Sinn an. Die Teilnehmer*innen erhalten einen Überblick über die Genese der Raumtheorie, um in der Vielzahl umgangssprachlicher Raumbegriffe präzise Kategorien zur Raumwahrnehmung und -beschreibung und ein anwendbares Vokabular als Gestaltende zu erwerben, mit dem Ziel einer Raumpraxis. Die Student*innen lernen die raumbildenden Elemente zielgerichtet zu manipulieren – in sämtlichen zur Verfügung stehenden Sphären: real-dinglich, virtuell und symbolisch. Das Seminar propagiert eine reflektierte, ressourcenbewusste und zugleich enthusiastische Gestaltung des «theatralen Raums» und darüber hinaus.
InhalteRaumtheorie.

Als Bühnenbildner*innen und Architekt*innen stehen wir vor einem Paradox: Raum als nicht-dingliche Materie gestalterisch zu bearbeiten. Wie (be-)greifen wir das nicht greifbare? Wie manipulieren wir das nicht dingliche?
Diese Fragen öffnen ein Feld zahlloser Theorien, die seit der Antike mit «Raum» als existentielles Problem ringen und sich in der jüngeren Geschichte zunehmend verästeln. In einem Streifzug wird diese historische Manigfaltigkeit aufgerollt: Vom Kosmos, über den euklidisch-kartesischen Anschauungsraum, den relationalen Raum und der Raum-Zeit, den Spatial Turn bis zum virtuellen Raum – mit Fokus auf für die Gestaltungspraxis wirkmächtige Beschreibungen.
Im Zentrum steht die Auffassung, dass nicht der Raum als solcher bearbeitet werden kann, sondern ausschliesslich die raumkonstituierenden Elemente: Grenzen und Schwellen, deren Beschaffenheiten, die zeitliche Verteilung von Akteuren, in Kenntnis der Eigenarten der menschlichen Wahrnehmung und Psychologie. Prägend für die Raumwirkung ist der zielgerichtete Einsatz der Mittel. Deren Beschreibung geschieht unter Zuhilfenahme einer aktualisierten Form Wöllflins dialektischer Begriffspaare aus «Kunstgeschichtliche Grundbegriffe». Nicht als stilisitische sondern als qualitative Kategorisierung.
«Raum» ist begrifflich zurückzuführen auf «Roden» und hat somit eine territoriale Bindung, als Ausgangspunkt einer Ausbreitung. In Abgrenzung hiervon leitet sich «Espace» vom lateinischen «spatium» ab, was eine Zwischen-Räumlichkeit umschreibt – und die etymologische Herfkunft von «Spazieren» ist. Diesem zugespitzten Gegensatzpaar «Raum / Espace» folgend ist das Seminar zum einen in der ZHdK als Basis verortet, zum anderen erschliessen wir uns die Umwelt spazierend. Es überlagern sich mentale Projektionen im Diskurs, virtuelle Interaktion und physische Erlebnisse bei Site-visits und Begegnungen.

“Where I create, there I am true.” Rainer Maria Rilke

Im Workshop-Teil schaffen wir eine 1:1–Intervention, die Aspekte der aufgeworfenen Raumprobleme physisch-real, virtuell und/oder symbolisch erfahrbar macht, im Sinne einer gemeinsamen Verdichtung der thematisierten Aspekte des Räumlichen.
Leistungsnachweis / Testatanforderunggem. Angaben der/des Modulverantwortlichen
TermineRaum: Bühnenbildatelier & Seminarraum stundenweise
DauerAnzahl Wochen: 9 (HS: Wo: 40- 48) / Modus: jeweils Mo. 4 Lektionen von 10:30 Uhr - 15:30 Uhr

Selbststudiumszeit pro Semester: ca. 30
Bewertungsformbestanden / nicht bestanden
BemerkungDen vielschichtigen Erscheinungsformen von «Raum» geschuldet, kommen in der Durchführung des Seminars sowohl Theorie- und Praxisanteile zum Zug.
Termine (8)