Ästhetische Praktiken nach Bologna

Architektur, Design und Kunst als epistemische Kulturen "in the making"

Der Bologna-Prozess führte in der Schweiz zu einer tiefgreifenden Reform des tertiären Bildungsbereichs. Dabei wurden die Bildungsstufen harmonisiert und anwendungsorientierte Studiengänge an Fachhochschulen angesiedelt. Vor allem aber wurden diese Hochschulen unter einen öffentlichen Leistungsauftrag gestellt, der ihnen als ein zentrales Standbein die Forschung vorschrieb. Die darauf einsetzende verstärkte Forschungsorientierung – die wir hier als Akademisierung, bzw. in

Anlehnung an Foucault (1978) als Forschungsdispositiv bezeichnen – betraf nicht nur die Fachhochschulen, sondern ebenso an konkreten Berufsbildern orientierte Fächer an Universitäten und technischen Hochschulen. Diese Fächer und Hochschulen wurden vor die paradoxe Herausforderung gestellt, sich ohne langjährige genuine Forschungserfahrung als akademische Disziplinen zu institutionalisieren und eigene forschende Praktiken zu etablieren.
Vor diesem Hintergrund und basierend auf dem Konzept der epistemischen Kulturen (Knorr Cetina 1999) untersuchen wir im geplanten, an der Schnittstelle zwischen sozialwissenschaftlicher Wissenschafts- und Technikforschung und kulturwissenschaftlicher Analyse angesiedelten Projekt ästhetische Praktiken in den Fachbereichen Architektur, Design und Kunst; das architektonische Entwerfen, das Gestalten im Design und das künstlerische Arbeiten. Dabei gehen wir der Frage nach,
was der Bologna-Prozess und der parallel dazu vorgenommene institutionelle Wandel an Hochschulen heute für die Vermittlung der ästhetischen Praktiken bedeutet, wie diese Praktiken durch das Forschungsdispositiv verändert wurden und ob sich für die jeweiligen Fachbereiche die Herausbildung spezifischer epistemischer Kulturen feststellen lässt.