Vortrag mit Bernard Stiegler und Pharmakon Workshop

Pharmakologische Perspektivierungen zu Fragen der Teilhabe, Kritik und Mikropraxis

4. Mai 2016, 19 h: Abendvortrag von Bernard Stiegler, ZHdK Raum 5.T07.

25. Mai 2016, Arbeits-Workshop des Teilprojekts „Mikropraktiken. Formen des Widerstands und Engagements“, der DFG Forschergruppe „Mediale Teilhabe“.
ZHdK, Raum 4.T33, 10.00–16:00

Das Projekt „Mikropraktiken. Formen des Widerstands und Engagements“ untersucht die wechselseitige Bezogenheit von ästhetischen Praktiken und Teilhabe, fasst Widersprechen als konstitutives Element von Teilhabe und versucht, Widerstand als performative, pharmakologische Mikropraxis kenntlich zu machen.
Strategien des Widersprechens, der Abgrenzung, der Umkehrung oder Verschiebung können Praktiken mikropraktisch wirksam werden lassen, insofern sie den gleichsam eingeübten und als natürlich empfundenen Verlauf von Praktiken zerlegen, dehnen, aufbrechen oder übertreiben. Mikropraktiken sind in ihrer unhintergehbaren Verbundenheit mit zweckorientierten und normierten Praktiken grundlegend pharmakologisch. Das heißt, sie sind formierend und de-formierend zugleich. Mit anderen Worten sie sind in doppelter Weise bestimmt: Sie können programmierend, disziplinierend oder normierend wirken, indem sie etwa Bezug nehmen auf das, „was zu tun ist“ sowie „auf das, was zu wissen ist“ (Foucault), sie können aber ebenso Normierungen widersprechen, indem sie die als natürlich empfundene und eingeübte Ausrichtung von Praktiken aufstören, umlenken und deren Potentiale öffnen. Die Ausbildung und Einübung mikropraktischer Prozesse verspricht, geltende Konventionen infrage zu stellen, die Determiniert- und Normiertheit von Praktiken selbstkritisch zu reflektieren und in Subjektivierungsprozessen widerständig wirksam zu werden.
Der Arbeits-Workshop Pharmakologische Perspektivierungen zu Fragen der Teilhabe, Kritik und Mikropraxis richtet sein Interesse darauf, wie Widerstand und Engagement als Mikropraxis pharmakologisch konzeptualisiert und neu gedacht werden können. Er fragt danach, welche pragmatischen Konsequenzen sich aus einer pharmakologischen Kritik und Zeitdiagnose ergeben und wie diese in neueren Ansätzen gedacht und umgesetzt werden.
In einem close reading werden in einem ersten Schritt theoretische Grundlagen zum Paradigma des Pharmakon rekapituliert, in einem zweiten Schritt werden Bernard Stiegler und Leonhard Fuest ihre Weiterentwicklungen dieses Paradigmas vorstellen. Diese sollen mit Blick auf die übergeordnete Fragestellung des Workshops hin befragt werden.

Mehr Information zum Workshop

Textlektüren:
Derrida, Jacques (1995), ”Platons Pharmazie“, in: Jacques Derrida, Dissemination. Wien: Passagen Verlag 1995, 69–144.
Stengers, Isabell (2010), ”Culturing the Pharmakon?“, in: Isabell Stengers, Cosmopolitics I. Minneapolis: University 
Press, 28–41.
Stiegler, Bernard (2012), ”Relational Ecology and the Digital Pharmakon”, in: Culture Maschine Vol.13, 
 www.culturemachine.net/index.php/cm/article/view/464/496).
Fuest, Leonhard (2015), Poetopharmaka. Heilmittel und Gifte in der Literatur. Bielefeld: transcript.
Referenten: Bernard Stiegler, Leonhard Fuest.
Workshop-Teilnehmer_innen: Erich Hörl, Beate Ochsner, Roberto Nigro, Dieter Mersch, Elke Bippus, Sebastian Dieterich, u.a.